|
"Wer sichert den Olymp, vereinet Götter? Des Menschen Kraft, im Dichter offenbart." Vorspiel auf dem Theater, V. 156-157 Geschichte Alles begann im Sommer anno 1998, als ich, was sonst so gar nicht meine Art war, quasi als Fleißaufgabe für die Schule, Johann Wolfgang von Goethes Bühnenstück "Faust - Der Tragödie erster Teil" las. Wider Erwarten empfand ich das Werk nicht, wie mir prophezeit worden war, sperrig und schwer verständlich, nein, es war eine Offenbarung. Ich war fasziniert von der Sprache Goethes, aber auch von dem großen Wissen, das in jedem seiner Verse zum Ausdruck kam. Besonders aber sprach mich die Mischung aus Humor, tieftraurigen Emotionen und die Düsternis der durch Goethes blumige Sprache schimmernden Erzählung an. Die Bilder, welche während des Lesens in meinem Kopf entstanden waren, ließen mich von da an nie mehr los, und ich schwor mir, sollte ich jemals den Beruf des Filmemachers tatsächlich ergreifen, für den ich mich in dieser Zeit gerade zu interessieren begann, würde ich irgendwann diese Bilder zum Leben erwecken. In den folgenden Jahren las ich das Stück noch mehrere Male, natürlich auch den zweiten Teil der Tragödie, und sah mir viele Inszenierungen und Verfilmungen an, von denen ich jedoch fast durchgehend enttäuscht war, weil sie entweder die großartigen Emotionen und Bilder des Textes völlig außer Acht ließen und nur der möglichst fehlerfreien Wiedergabe der Sprache huldigten oder, wie F.W. Murnaus unschlagbare Stummfilmumsetzung aus den 20er Jahren, allzu weit von Goethes Version der Volkssage Faust abwichen. Umso mehr drängte es mich, meine eigene Version der Geschichte zu erzählen, jedoch war mir bewusst, dass es noch sehr lange dauern könnte, bis ich die Möglichkeit dazu haben würde. Und dann ging alles sehr schnell. Im Herbst 2002 traf ich durch die Vermittlung eines gemeinsamen Bekannten den österreichischen Filmkomponisten Alexander Zlamal, dessen Musik zu Virgil Widrichs "Copyshop", der in diesem Jahr für den Oscar nominiert gewesen war, mich begeistert hatte. Ich erzählte ihm so nebenbei von meinen Plänen einer Faustverfilmung, in der ich jedoch nicht die Sprache, sondern die Bilder in den Vordergrund stellen wollte. Alex war sofort angetan von der Idee und meinte, wahrscheinlich etwas leichtfertig, dass er, sollte ich dieses Unterfangen tatsächlich irgendwann angehen, sehr gerne die Musik dazu machen würde. Ich nahm ihn beim Wort und begann am Tag darauf mit der Arbeit, da ich mir diese Chance nicht entgehen lassen wollte. Drehbuch Ich besorgte mir eine billige, kleine Taschenbuchversion von Goethes Faust und trug sie fortan tagein tagaus in meiner Hosentasche mit mir herum. Bei jeder mir gebotenen Gelegenheit schlug ich den Text auf und machte mir Notizen, wobei ich Vers für Vers durchging. Ich entwarf die Figuren, entwickelte die Bilder und kürzte, was mir entbehrlich erschien. Dieser Prozess dauerte etwas über ein Jahr, währenddessen ich bereits ein vielversprechendes Team junger talentierter Leute, die mir bei der Umsetzung helfen würden, um mich gesammelt und auch schon einen Großteil der für das Projekt benötigten Schauspieler ins Auge gefasst hatte. Im Jänner 2004 begann ich schließlich mit dem Schreiben des am Ende sehr kompakten, nur etwa 20 Seiten umfassenden Drehbuchs. Es ging mir leicht von der Hand, da ich ja bereits sehr detaillierte Notizen zur Verfügung hatte, und Anfang März war es schließlich fertig. Da es nun keinen Grund mehr gab, länger zu warten, kratzte ich mein über die Jahre angespartes Geld zusammen und machte mich an die Produktion. |
| Philipp Hochhauser - Buch und Regie |